06 Januar 2014

Die Heiligen Drei Könige und das Ende der Rauhnächte

O Winter! ruler of the inverted year, . . .
I crown thee king of intimate delights,
Fireside enjoyments, home-born happiness,
And all the comforts that the lowly roof
Of undisturb'd Retirement, and the hours
Of long uninterrupted evening, know.

William Cowper


So...das Brot ist im Ofen, eine Tasse Kaffee dampft vor mir und gleich gehe ich mit Dreikönigsweihrauch durch die Wohnung und räuchere alles aus.

Heute ist der Tag der Heiligen Drei Könige, The Twelfth Night, das Ende der Twelve days of Christmas und der Rauhnächte. Der heutige Abend soll für Orakel zum Thema Spiritualität bestens geeignet sein.
Irgendwie schade, dass diese verwunschene Zeit nun zu Ende ist. Andererseits ist mit dem richtigen Auge und Gespür dafür das ganze Jahr magisch und verwunschen. Irgendwie habe ich von den Rauhnächten dieses Mal gar nicht viel mitbekommen. Erst dachte ich "Das geht aber früh los"...und dann...nichts mehr. Bis auf die extrem wirren Träume dieser Nacht mit einem keltischen Tempel auf dem Lüderich und dergleichen. (Leider gibt es da keinen.)

Aber zurück zu den drei Königen.
Es heißt, dass die drei Könige aus dem Morgenland (auch die drei Weisen genannt....im Englischen sogar The Three Magi, was dem, was sie waren sicher am nächsten kommt) Jesus kurz nach seiner Geburt mit Geschenken besucht haben. Sie werden nur im Matthäus-Evangelium erwähnt, welches uns mitteilt, dass sie aus dem Osten nach Jerusalem kamen, um Christus, den König der Juden, zu ehren. Da drei Geschenke überliefert sind, wird traditionsgemäß gesagt, dass es sich um drei Könige handelte, obwohl Matthäus auf ihre Anzahl überhaupt nicht näher eingeht.
Das englische Wort magi ist eine Latinisierung des Plural von magos (aus dem Griechischen, μαγος pl. μαγοι), welches wiederum aus dem Altpersischen maguŝ vom avestischen moγu entstanden ist. Wie auch immer - das Wort selbst ist eine spezifische Berufsbezeichnung, ein Titel sozusagen und bezieht sich auf die zoroastrischen Priester. Teil ihrer Religion war es, den Sternen besondere Aufmerksamkeit zu schenken; ihr Ruf in Sachen Astrologie war exzellent (und das war zu diesen Tagen eine hochangesehene Wissenschaft). Sie folgen ja auch dem Stern von Bethlehem, um zu Jesus zu gelangen.

Ihre religiösen Praktiken und der Gebrauch astrologischer Wissenschaften führten dazu, dass der Ausdruck Magi generell für das Okkulte genutzt wurde und zum englischen Wort magic wurde.

Seit dem 8. Jahrhundert tragen diese Magier die Namen Caspar, Melchior und Balthasar. Diese stammen aus einem griechischen Manuskript aus dem frühen 6. Jahrhundert. Der lateinische Text Collectanea et Flores führt die Tradition der drei Könige weiter und gibt auch weitere Details an. Dieser Text wiederum soll aus dem 8. Jahrhundert aus Irland stammen. (Und ich denke, an diesem Beispiel wird auch deutlich, wieviel an der uns bekannten Bibel ebenfalls umgeschrieben und dazugedichtet wurde...) Beda Venerabilis (oder sein Nachfolger) schreibt hier über die Könige der erste solle Melchior gewesen sein, ein Greis mit weißem Barte, der zweite Caspar, ein bartloser Jüngling, der dritte Balthasar, mit dunklem Vollbart (Tertius, fuscus, integre barbatus, Balthasar nomine). Hieraus ist auch das Missverständnis entstanden, Balthasar sei dunkelhäutig - dabei bezog sich fuscus („dunkel, schwärzlich“) eindeutig auf den Bart. Die Zahl drei steht hier vermutlich auch für die drei Alter des Menschen - so werden sie in der Kunst auch oft als bartloser Jüngling, erwachsener Mann mit dunklem Vollbart und alter Greis dargestellt.

Bei Matthäus wird beschrieben, dass die Könige Jesus Geschenke darbringen und in freudiger Lobpreisung niederfallen. Dieses "Niederfallen" meint hier, sich lang ausstrecken und auf die Knie fallen, was, zusammen mit dem Knien bei Lukas einen deutlichen Effekt auf die christliche religiöse Praxis hatte. Zuvor war das Niederknien in der jüdischen und römischen als würdelos betrachtet worden. Bei den Persern allerdings war es ein Zeichen großen Respekts, oftmals im Angesicht eines Königs. Inspiriert durch diese Zeilen übernahm die frühe christliche Kirche das Niederlegen und -knien.

Drei Geschenke brachten sie nach Matthäus mit: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Nach Wikipedia aus folgendem Grund:

Gold als das angemessene Geschenk für den neugeborenen König; Weihrauch aus dem Bereich des Tempels als Geschenk für den kommenden Hohepriester Israels, Myrrhe, eine Heilpflanze, mit der Arznei zubereitet wird, als Geschenk für den von Gott gesandten Arzt und Heiler („Heiland“).

Die Reliquien der Hll. Drei Könige wurden wohl im 6. Jh. von Konstantinopel nach Mailand überführt. Hier ruhten sie in der Kirche S. Eustorgio, die im 9. Jh. »Basilika der Könige« genannt wird. Nach der Zerstörung Mailands schenkte Kaiser Friedrich Barbarossa die Reliquien seinem Kanzler Erzbischof Rainald von Dassel, der sie 1164 feierlich in seine Kathedrale, den Dom zu Köln, übertrug. Sie ruhen im Dreikönigsschrein, der als kostbarstes Werk der Rhein-Maas-Kunst nach 1181?1210 unter maßgeblicher Mitwirkung des Nikolaus von Verdun entstanden ist. Bis ins 18. Jh. waren die Reliquien der Hll. Drei Könige Ziel einer der bedeutendsten Wallfahrten des Abendlandes. (Quelle: http://www.heilige.de)

Dieser Tage gehen auch wieder die Sternsinger um die Häuser, um den Segen zu erteilen: 20 + C + M + B + 14. Die Initialen der Heiligen Drei Könige stehen allerdings eher für Christus mansionem benedicat, also "Christus segne dieses Haus".

Die eigentliche Bezeichnung des Dreikönigstages lautet in den evangelischen und der katholischen Kirche Epiphanias, "Erscheinung des Herrn".

Die Kirche feiert an diesem Tag das Sichtbarwerden der Göttlichkeit Jesu in der Anbetung durch die Magier, in der Taufe im Jordan und im Wunder von Kana. Dabei wird die Geschichte von den Weisen aus dem Morgenland als Evangelium in den katholischen und evangelischen Gottesdiensten gelesen und/oder ausgelegt. In den evangelischen Kirchen werden die darauf folgenden Sonntage als „Sonntage nach Epiphanias“ gezählt; die katholische Kirche feiert am Sonntag nach Epiphanias das Fest der Taufe des Herrn, mit dem der Weihnachtsfestkreis seinen Abschluss findet.

Den 6. Januar als Festtag gibt es auch in diversen heidnischen Traditionen: So feierte man im ägyptischen Alexandria in der Nacht vom 5./6. Januar das Fest des Gottes Äon, bei dem feierlich Wasser aus dem Nil geschöpft wurde. Ebenso gibt es für diese Nacht Volkssagen, die Dionysius erscheinen und Wasser in Wein verwandeln lassen.(Quelle: Wikipedia)

Ein anderer Name für den Dreikönigstag ist übrigens aus dem Heidnischen noch "Frau Holle Tag". Um Frau Holle zu besänftigen auf ihrem Zug und sie milde zu stimmen, stellte man Speisen auf die Dächer der Häuser. (Frau Holle fuhr nämlich mit der Wilden Jagd durch die Lüft.)

Es heißt, dass die Tiere auch in dieser Nach reden können und das Wasser, das nun geschöpft wird, große Heilkraft besitze. (Wahrscheinlich in Bezug auf das Fest des Äon.) Außerdem soll die Nacht die allergefährlichste der Rauhnächte sein und die Menschen gingen deshalb zu dieser Zeit damals am liebsten gar nicht ins Freie.

Eine Wünschelrute, die heute geschnitten wird, soll unfehlbar sein. Je nachdem, was mit ihr gefunden werden soll, kann man sie auf einen der drei Namen der Könige taufen. Caspar für Gold, Balthasar für Silber und Melchior für Wasser.

Kommentare:

Kasia Ogrodnik hat gesagt…

Coincidentaly I've just read about Frederick and the Shrine of the Three Kings in William of Newburgh Chronicle. Here's a snippet about the siege of Milan and transfer of the holy relics to Cologne :-)

"Milan was besieged by the emperor Frederick [Barbarossa], the number of whose forces may be estimated from the circumstance of his being enabled to attempt the reduction of so very powerful a city, inordinately boasting of the multitude and boldness of her inhabitants. After various events, however, and multiplied encounters, it surrendered, and fell into the enemy's hands. The victorious emperor razed the city, but did not destroy the inhabitants, because they had surrendered themselves. He, however, dispersed them, and transferred those celebrated relics of the Magi, there deposited, into Germany, to the inexpressible grief of the Lombards, and honored the city of Cologne with the custody of this treasure" (from William of Newburgh http://www.fordham.edu/halsall/basis/williamofnewburgh-two.asp).

The photo you included, is it the fragment of the reliquary?

Kasia Ogrodnik hat gesagt…

Oh, I forgot to mention that I've been re-reading Baudolino by Umberto Eco. Have you read it? Frederick Barbarossa is one of the characters :-)

P.S.Perhaps you could recommend a biography of the emperor (preferably in English- my German is pretty rusty), I would love to learn more about him.

athena hat gesagt…

Whow, vielen Dank für diesen tollen Bericht, das war ja richtig ausführlich und auch echt spannend! =)

Ashmodiel hat gesagt…

Immer gerne, Athena. =)

Kasia, thanks a bunch for the interesting snippet!
Yes, that's a fragment of the reliquary in Cologne Cathedral. I am looking forward to this year's celebrations. It's now 850 years since the relics came to Cologne.
I July, on the day of their arival, there will be a special mass and of course there will be several exhibitions and celebrations.
I haven't read the book yet (I have to admit that I haven't read anything by Eco yet); I'll tell you when I've found a good biography of Frederick.

Ashmodiel hat gesagt…

Sorry for the typos... :-/

Kasia Ogrodnik hat gesagt…

Don't worry about the typos :-) I love Baudolino, and I'm pretty sure you would love it, too. (There are scenes when I can't help chuckling to myself- Otto of Freising and Baudolino- what a duo!!! :-))