13 Oktober 2010

Ein keltischer Heiliger im Oktober: St. Kenneth

Heute hat jemand angeklopft, der sehr wahrscheinlich noch gemalt werden möchte und ich habe mich gleich etwas über ihn schlau gemacht. Sein Festtag ist der 11. Oktober.
Saint Kenneth, der Anam Cara von Saint Columba. Bekannt ist er auch als St. Canice, Cainneach, Canicus oder Kenny.
Er war ein irischer Pikte und ungefähr im Alter von Columcille. Geboren wurde er als einer der Ui-Dalainns um 525 (andere Quellen sagen ca. 516) in Keenaght, County Derry, Irland. Sein Name war also Cainneach moccu Dalánn (Cainneach vom Stamme der Dalánn) und einer seiner Vorfahren war Fergus, der König von Ulster. Wie Columcille, hatte auch er einen druidischen Elternteil - sein Vater Lughadh Leithdhearg war ein hochgebildeter, bekannter und geschätzter Barde, der später den Sohn des Chieftains von Cianachta, Geal Breagach, unterrichtete. (Cainneachs Mutter hieß Maul.)
Lughadh wollte für den Sohnemann eine gute Ausbildung und schickte ihn nach Clonard, wo er von St. Finnian ausgebildet wurde. Später ging er auch ein Weilchen nach Llanfarcan in Wales (um der Pest aus dem Weg zu gehen) und studierte dort unter St. Cadoc. Während seiner Ausbildung wurde er dann auch zum keltischen Christen und gilt wie sein Freund Columcille (Columba) als einer der 12 Apostel Irlands.
Columcille lernte er 543 kennen, als er zusammen mit ihm Finnians Schüler wurde. (In Clonard freundete er sich auch unter anderem mit St. Comgall an.) Zum Priester geweiht wurde er zwei Jahre später im Kloster von Llancarvan in Glamorganshire und wurde in später in Rom vom Papst eingesegnet.
Zusammen mit seinem Anam Cara segelte Cainneach (was im Irischen "der Hübsche" bedeutet und ihm wohl auch recht gut zu Gesichte stand) nach Schottland, wo er als Pikte eine wichtige Rolle auf Columcilles Missionsreise zu König Brude von Inverness spielte.

Cainneach und Columcille waren einander ungeheuer nahe und standen des öfteren sogar in regelrecht telepathischem Kontakt. Als Cainneach einmal seinen Krummstab in Iona hatte liegen lassen zog Columcille sich in die Kapelle zurück, um darüber zu beten - er wandte sich wohl mit jedem kleinen Ding des täglichen Lebens an Gott, wie viele andere keltische Christen auch - und hatte dabei die Offenbarung, dass sein Freund nach Islay kommen würde. (Was wohl unter anderem auch durch die Konzentration auf ihn zustanden gekommen sein mag.) Vollkommen im Vertrauen darauf, dass dies tatsächlich so sein möge, legte er Cainneachs Stab auf dem Torf oberhalb des Strandes ab, wo dieser ihn dann fand. Gewundert hatten sich beide wohl über solche Vorkommnisse schon lange nicht mehr.

Ein anderes Mal, während eines fiesen und starken Sturms, eröffnete Columcille seinen erstaunten und ungläubigen Mönchen, dass bald ein Gast eintreffen werde und sie sollten sich beeilen, ihm alles behaglich herzurichten. Und tatsächlich, kaum war der Sturm abgeebbt, landete Cainneach auf Iona.
Während eines anderen ekligen Sturmes hatte Columcille das Pech, mitten auf See zu sein. Er teilte seinen Begleitern mit, ihnen werde schon nichts geschehen, denn Cainneach würde für sie beten. So ziemlich im selben Moment hörte Cainneach, der zu der Zeit in Irland in seinem Kloster in Aghaboe beim Essen im Refektorium saß, seinen Freund nach ihm rufen.
Sofort stand er auf und verließ den Tisch - er stoppte nur kurz, weil er seine Sandale festschnallen musste. Und ab gings in die Kapelle, um für Columcille zu beten. Erfolgreich.
Beide vertrauten offensichtlich sehr aufeinander und auch in die Kraft ihrer Gebete. Und wenn mich Cainneach heute noch eines lehren kann, dann ist es, genauso zu vertrauen und auch ruhig mal etwas nach "oben" abzugeben und um Hilfe zu bitten.

In Schottland hatte er seine eigene kleine Siedlung auf der Insel, die nach ihm Inch Kenneth heißt und nördlich von Iona liegt. Heute wohnen dort nur noch Schafe, aber im Mittelalter zog die kleine Kapelle, die auf der von Cainneach erbaut wurde, etliche Pilger an. Heute liegt sie in Ruinen.
Von dort aus unternahm er etliche Reisen und in seinem Kloster in Aghaboe kopierte er die Evangelien und versah sie mit eigenen Kommentaren, die als Chain of Canice lange, lange in Benutzung waren.

Außergewöhnlich war auch bei ihm sein Bezug zu den Tieren. Er konnte so gut mit ihnen kommunizieren, dass es manchen erscheinen mochte, als hätte er Macht über sie gehabt. So bekam ein Mönch einmal mit, dass ein Mäuschen aufhörte, an seinen Schuhen zu knabbern, als er es darum bat und die Vögel ihr lautes Singen einstellten, als es ihm beim Schreiben störte.

Quellen: The Celtic Year, Shirley Toulson, Vega 2002
Oxford Dictionary of Saints, David Hugh Farmer
Catholic Encyclopedia

Kommentare:

2woelfe hat gesagt…

Also ich muß sagen, von allen Heiligen und so, über die Du schon derartig viel recherchiert und geschrieben hast, ist dies der erste, der mich voll und ganz und richtig tief persönlich berührt. Das ist ein seltsames Gefühl, als hätte ich ihn kennenlernen dürfen. Muß ein sehr sympathischer Typ gewesen sein. :)

Ashmodai hat gesagt…

Ja, ich hab bei ihm und auch bei Columcille so ein warmes, heimeliges Zuhausegefühl irgendwie.