09 März 2010

Keltischer Tagesheiliger: Saint Senán

Ich habe eben gesehen, dass in Irland gestern der Feiertag eines Lehrers von Saint Aidan of Lindisfarne war - also muss ich Euch mal wieder mit einem kleinen Bericht quälen.

Bildquelle links: clarelibrary.ie

Saint Senán hieß natürlich nicht immer nur Saint Senán, sondern eigentlich Senán mac Geircinn. Geboren wurde er 488 in Corca Bhaisin in County Clare (Irland). Seine Familie hatte wohl zwei Höfe einen in Moylough und einen an einem Ort namens Tracht Termainn.
Seine Mutter war eine Seherin, so heißt es, und hatte ihre Gabe im Wald empfangen. Sie soll gestolpert sein und sich an einem Ast festgehalten haben, der plötzlich Blüten trug und ihr die Gabe der Weissagung schenkte.

Ob sie vorausgesehen hat, wie ihr Sohn einmal werden würde? Zum Teil war er ziemlich merkwürdig und hat später Aidan mit Sicherheit mehr als einmal geärgert....
Wenn man den Geschichten Glauben schenkt (die vielleicht erst viel später von der römischen Kirche nach ihrem Gusto ausgeschmückt wurden), übte er sich schon als Kind in Entsagung - und wollte die auch allen anderen schmackhaft machen bzw. aufdrücken. Selbst seine Mutter fing sich einen Tadel ein, als sie Blaubeeren sammelte. "Gott", so salbaderte Senán zu seiner überraschten Mutter, "schuf eine Zeit zur Enthaltsamkeit und eine zum Essen." Wahrscheinlich hielt er grade die Zeit der Enthaltsamkeit für angebracht...
Nun - vielleicht erklärt ein kleines traumatischen Erlebnis während des Viehhütens sein seltsames Verhalten. Klein Senán geriet nämlich mit dem Vieh, das er am Meeresarm vor sich hertrieb, mitten in die Flut und schickte ein Stoßgebet gen Himmel. Er fand tatsächlich einen trockenen Pfad für sich und die Tiere zurück und versprach sein Leben fortan Gott.

Senán war allerdings auch sehr belesen und weitgereist. es ist sicher nicht üblich zu seinen zeiten gewesen, Britannien, Frankreich und Rom zu kennen. Gelernt hat er in verschiedenen Klöstern Irlands, z.B. in Glendalough und Kerry.
Die Ordenstracht nahm er unter Abt Cassidan aus Südwest Cork. Dann ging er zum Kloster von Kilmanagh (Diözese Ossory um sein religiöses Leben weiter vorzubereiten. Dort soll er den Legenden nach auch einige Wunder gewirkt haben.
Was man als nächstes von ihm hört ist die Gründung einer Kirche in Enniscorthy. Dem Book of Lismore nach ging er dann nach Rom und von dort aus reiste er nach Tours, was zu dieser Zeit die größte klösterliche Einrichtung Europas war. (Man erinnere sich an Martin.)
Als er nach irland zurückkehrte, gründete er eine Kirche und ein Kloster in Inniscarra in Cork und kehrte danach in seine Heimat zurück, wo er seine Arbeit auf den Fergusinseln aufnahm. Dort "reiste" er auch ein wenig herum - von Mutton Island nach Bishop's Island südlich von Kilkee. Und schließlich richtete er sich um 534 auf Scattery, dem niedrigen, grünen Inselchen vor der Küste von Kilrush, ein. (Man kennt die Insel auch unter dem Namen Inis Cathaig.)
Dort soll eine Art Ungeheuer namens "Der Cathach" die Leute terrorisiert haben, die sich gar nicht mehr in die Nähe der Insel trauten. Dieses Tier wird auch schonmal eine Seeschlange oder Peist genannt. (Peists ähneln Nessie und sollen heute noch im Roscommon und anderen Seen Irlands gesehen worden sein. Beschrieben wewrden sie ähnlich einem riesigen Meeraal mit hervorstehenden Augen, kräftigem Körper und einer Pferdemähne.) In einer Schnitzerei in der alten Kapelle von Kilrush heisst es Cata.
Angeblich hat der Erzengel Raphael Senán bei seiner Ankunft auf der Insel auf den höchsten Hügel dort geführt von wo aus er den Cathach sehen konnte. Senán natürlich - voller Eifer und Gottvertrauen - stellte sich Aug' in Aug' mit dem "Cata" und befahl ihm, im Namen der Dreifaltigkeit von der Insel zu verschwinden. In manchen Geschichten gehorchte der Cathach auch sofort und machte sich schleunigst vom Acker - ohne anzuhalten bis er den dunklen, tiefen Doolough Lake am Fuße des Mount Callan erreichte. Wahrscheinlich hatte er einfach wenig Lust, sich die Insel mit einem Wahnsinnigen zu teilen und machte sich lieber gleich aus dem Staub.

Von seinem Leben auf Scattery ist außer den angeblichen Wundern dort nicht viel bekannt - außer, dass die Regeln seines Klosters streng und extrem waren. (Man kann sich denken, dass Aidan es dort nicht wirklich lange aushielt...) Offensichtlich waren noch nicht einmal Frauen auf der Insel erlaubt. Sie durften dort weder leben noch die Insel überhaupt betreten. Saint Ilbie, Senáns Schwester, wünschte sich aber, in der Nähe ihres Bruders begraben zu werden. Um seine eigenen Regeln nicht zu brechen, aber dennoch den Wunsch seiner Schwester zu erfüllen, wartete der sture Büffel bis zur Ebbe und beerdigte sie am Strand in der Gezeitenzone. So war sie nicht offiziell auf der Insel, aber ihr Wunsch war dennoch gewährt.

Am 8. März 544 starb Senán, der seinen Namen übrigens wahrscheinlich von einem Flussgott hat, nach dem der Shannon benannt ist. Es kann aber auch umgekehrt sein und der Shannon wurde nach Senán benannt. Im Gälischen bedeutet der Name "kleiner alter weiser Mann". Begraben ist er auf Scattery Island, vermutlich in Temple Senan.
Sein Todestag war ein wichtiger Pilgertag und an seinem Grab sollen sich Wunderheilungen ereignet haben. Steine von St. Senan's Bed (einer kleinen Kapelle) galten als Schutz gegen alle möglichen Krankheiten und vor allem als Schutz vor dem Ertrinken. Da hat sich sicherlich der Flußgott mit dem Heiligen vermischt - wie so oft im keltischen Glauben.

St. Senan's Well
St. Senan's Well, Leadmore, Kilrush, Co. Clare.

Picture © Copyright Charles W. Glynn
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Quellen: Clare County Library
The Celtic Year - Shirley Toulson

Kommentare:

Ray Gratzner hat gesagt…

Liebe ashmodai,

eine Seherin als Mutter, das sind schon gute Voraussetzungen, danke für die Recherchen und es ist unterhaltsam zu lesen, wie die neue Religion und der Glaube der Ureinwohner sich miteinander verknüpften - das war bestimmt eine sehr mystische Weltsicht, in der die Leute damals lebten...

Ashmodai hat gesagt…

Danke Dir, lieber Ray.
Ja, das war schon eine interessante Zeit. :)

Alruna hat gesagt…

apropos: bist du noch dabei, regelmäßig für den orden die flamme zu hüten? schafft man das im alltag durchgehend oder wird es doch eine lästige pflicht? deine erfahrung damit würde mich sehr interessieren, natürlich nur, wenn du es mitteilen magst.
herzlichen gruß
alruna

Ashmodai hat gesagt…

Hallo, Alruna!

Ja, bin ich. :) Es ist ja nur alle 20 Tage und es reicht ja auch, wenn man sich nur Momente nimmt - diese aber dann eben intensiv. :)
Es müssen nicht 24 Stunden davor verbracht werden. :)