06 November 2013

Von der überzogenen politischen Korrektheit

Dieser Tage ist ins Gespräch gerückt, dass der Linkspartei in NRW das Martinsfest ein Dorn im Auge ist.
Es sei eine Zumutung für die hiesigen Muslime und habe aus den Kindergärten und Schulen doch bitteschön zu verschwinden. Schließlich bekommen die armen Menschen das christliche Fest da ja geradezu aufgedrängt. Der Vorsitzende der NRW Linken begründet, das Martinsfest sei Teil der katholischen Heilslehre ....die drängt man mit dem Fest den Wehrlosen ja auf. [Der zweite Teil des Satzes stammt von mir, sollten da Missverständnisse auftreten.]
Der Grundgedanke des Festes - das Teilen - sei ja durchaus begrüßenswert, aber man könne das ja im Rahmen eines Sonne-Mond-und-Sterne-Festes feiern und transportieren.
Ist klar.
Brauchtum ist dem Mann wohl ein Fremdwort.
Und der Umstand, dass dies ein christlich geprägtes Land ist wohl auch.
(Ich stelle mir diese Forderung umgekehrt grade in einem muslimischen Land vor.)
Ich sehe wenig Sinn darin, Feste zu sinnentleeren und sie unter anderer Flagge weiterzufeiern.
Dieses devote und vorauseilende Entschuldigen für alles was hiesiges Brauchtum und christlich geprägt ist kotzt mich unglaublich an. Als sei das alles per se schlecht.
Nichtmal der Zentralrat der Muslime kann den Sinn der Forderung verstehen.
Wäre es nicht viel einleuchtender, einfach auch mal andere Feste in den Schulen und Kindergärten zu feiern? Neben den christlichen auch jüdische, muslimische oder gar heidnische? Das wäre doch Vielfalt.
Die eigene Religion und Kultur verleugnen mag ja vielfach als schick gelten...ich bekomme dabei nur noch Plaque.
Lange Zeit habe ich ja in meinem Erzieherberuf gearbeitet und war lange in einer Elterninitiative beschäftigt, in der die Eltern bloß jede Art christlicher Erziehung von den Kindern fernhalten wollte. Da hieß Sankt Martin "Laternenfest" und die Kinder hatten keine Ahnung vom Grundgedanken. Bloß die jener Eltern, die nicht so dachten. Und ich habe den Teufel getan, den anderen, die danach fragten, nicht von Sankt Martin zu erzählen. Weihnachten sollte natürlich auch da gefeiert werden und der Advent. Ostern, Karneval...klar. Da pack ich mir doch an den Kopf. Es gab tatsächlich Kinder, die sagten, es sei Weihnachten, weil die Oma kommt. Ich finde das absolut erschreckend.

In Solingen war im Gespräch, die Weihnachtsbeleuchtung zu "entchristlichen" und statt eines Weihnachtsmarktes einen Wintermarkt abzuhalten. Ja...Weg mit Jesus, dem langhaarigen Terroristen. Der hatte so menschenfeindliche Ideen, da müssen die Muslime ja Angst bekommen! Begründet wird das mit der multikulturellen Welt.
Dass ich alles eher monokulturell plattwalze, wenn ich den verschiedenen Kulturen abspreche, sich auch zu zeigen...darauf kommt eher niemand. Dumm wie Brot ist das nicht - ich schätze, selbst die Hefekulturen im Toast sind intelligenter.

"Politisch korrekt" ist für mich schon eine Weile zum Synonym von "selbstverleugnend blöd" geworden.
Darauf ein Balkanschnitzel und die neue Version der "kleinen Hexe".
Und am Montag ein schönes Sonne-Mond-und-Sterne-Fest.
Und nun hasse mich, wer sich dazu berufen fühlt.

Kommentare:

Feona Malea hat gesagt…

<3

Kivi hat gesagt…

Ich hasse dich nicht dafür. Dein Wort in Gottes Ohr. Oh, darf man das eigentlich nun noch so schreiben oder sagen?
Es gibt schon komische Entwicklungen hierzulande....

Ashmodiel hat gesagt…

Hier darfst Du ;)

Silberweide hat gesagt…

Werden wir so langsam ein Völkchen von Anbiederern? Ich bin da ganz nah bei Dir, in welchen Wind hängen wir denn unser Fähnchen morgen?

Ich finde es äußerst gruselig, was in diesem unseren(?) Lande inzwischen passiert.....da wird sich standhaft geweigert, sich als Einwanderungsland (mit allen möglichen Konsequenzen!)zu formieren, aber andersherum habe ich Eingebohrene mich nach allen Befindlichkeiten meiner Gäste zu richten und auch wenn das bedeutet, beinahe die eigene Identität aufzugeben?

Nein, ich bin bestimmt nicht ausländerfeindlich, dafür reise ich viel zu gern und auch am liebsten in Ecken, ohne Touristen.....aber ich bin es auch so leid immer und überall für alle ANDEREN Verständnis haben zu müssen!

Religion ist für mich ohnehin ein Thema, über welches ich nicht streiten kann und möchte, jedem das seine, aber dann lasst doch auch mir das meine.....Wieso soll ich darauf verzichten?

Da war also damals dieser heilige christliche Mann, der überaus freundlich war, etwas zu teilen.....und da sind heute diese Länder, in denen Frauen noch gesteinigt oder einen eine Strandmuschel in die Strafanstalt bringt, HALLO.....

Könnt´mich grad in Rage schreiben, deshalb höre ich jetzt auf :-[

urbanepriesterin hat gesagt…

aaaaaaaaaaah ich bin deiner Meinung. Multi-kulturell wäre für mich, wenn ALLE einbezogen werden würde, also zumindest auch mal die Feste der anderen Religionen anzusprechen und bei Bedarf/Wunsch zu feiern. Ich finde nicht, dass es Kindern (und Erwachsenen) schadet, kulturelle und spirituelle Rituale zu haben. Gerade das Martinsfest ist ein wirklich schönes. :-/ Was die da aber fordern ist eine Reduktion auf den sinnentleerten Kommerz, der hauptsachlich Geld bringen soll. Bloß nix denken grrrrrr hmpf...

Gruß
Alexis

athena hat gesagt…

DU hast absolut Recht! Was ist denn bitte schön kulturverachtend daran, wenn wir in unseren eigenen Gefilden (ich drücke das mal mangels einer aktuell besseren Bezeichnung so aus) auch unsere eigenen christlichen Feste feiern? Wenn nicht hier, wo denn dann? Klar ist es auch schön wenn man die Feste anderer Religionen mit aufnimmt, sie vielleicht in kleinen Kreisen zusammen legt usw. Aber diese ganze Diskussion erscheint mir dermaßen schwachsinnig, dass ich mich mal selbst beglückwünschen möchte, schon lange keine Nachtrichten mehr zu schauen und auch keine Tageszeitung zu lesen! Ein Hoch auf die Modezeitschriften und Krimiserien im TV!

Ashmodiel hat gesagt…

Ihr macht mich grade sehr froh. =)

Kassandra hat gesagt…

Danke,du sprichst aus,was mich schon seit Jahren annervt.
Mindestens genauso,wie das krampfhafte Verdammen von christlichem Content in der Hexen-und Heidenszene.
Ich liebe andere Kulturen und Feste.
Genau wie meine eigene.
Da muss ich nix verdrängen und umbenennen.
Ich gehe als Nichtchristin in die Mitternachtsmesse im Kölner Dom,weil ich die Atmosphäre so liebe.
Da fahre ich sogar extra von ausserhalb hin.
Ich liebe es,in dieser Riesenkirche an einer Säule zu stehen und zu fühlen,wie die riesige Glocke schlägt.
Und wenn jemand sagt,ich bin deswegen keine "richtige" Heidin oder Hexe, bitteschön.
Auf diese ganzen Schubladen pfeife ich mittlerweile und mache das,was mir guttut.

Anonym hat gesagt…

Hier in der Provinz Süddeutschlands, in der der St. Martins-Zug lange Tradition hat, ist diese Debatte nun auch in der Tageszeitung aufgegriffen worden.

Mich macht diese Forderung, dieses schöne Fest abzuschaffen bzw. all seiner spirituellen Bedeutung zu berauben, wütend. Unter dem Deckmantel des Schutzes der Muslime wird die Säkularisierung und Sinnentleerung der Gesellschaft vorangetrieben. Die Kultur, die immer auch Religion beinhaltet, wird abgeschafft. Werte wie Nächstenliebe, Ehrlichkeit und Religiosität sollen nicht mehr vermittelt werden. Als gläubiger Mensch wird man mittlerweile nur noch belächelt.

So richtig zornig macht mich an der Sache, dass die Muslime vorgeschoben werden. Was ist mit Angehöriger anderer Religionen? Müssten die sich nicht auch gestört, beleidigt, missioniert fühlen? Nein, denn Muslime stehen gerade sehr schön im Fokus.

Es ist doch gewollt, dass das Bild der Muslime in der Öffentlichkeit immer schlechter wird. Diese Forderung wird den Linken auf langer Sicht nicht schaden, aber die Muslime werden es austragen müssen. In der Gesellschaft bleibt übrig: Wir dürfen unsere christliche Kultur nicht mehr wegen denen zeigen, die fühlen sich wegen jeglicher Kleinigkeit auf den Schlips getreten, die wollen eine Islamisierung Deutschlands und Ausrottung unserer Kultur. Die Muslime sollen raus hier! Türken und Araber haben hier nichts zu suchen!

Subtil wird hier gegen Angehörige einer Religionsgemeinschaft gehetzt. Versteckte Volksverhetzung ist das.
Zu weit hergeholt? Nein, man sieht es an zahlreichen Kommentaren im Internet, auch hier unter diesem Blog. Irgendein linker Politiker setzt einen Stuss in die Welt und übrig bleibt, dass die Muslime schuld daran seien.

Ich habe es am eigenen Leib erfahren müssen, denn ich bin Muslimin (ohne Migrationshintergrund).

Übrigens: KEIN Muslim fühlt sich vom St.-Martinsfest diskriminiert, beleidigt, missioniert, bedrängt oder sonst irgendetwas. Auch unsere Kinder nehmen gerne daran teil und wir finden es gut, ihnen so die Botschaft der Nächstenliebe zu vermitteln. Der Gesellschaft und uns als Menschen täte es gut, viel mehr spirituelle Feste zu feiern, gemeinsam. Hier in unserer gemischtreligiösen Familie empfinden wir das gemeinsame Feiern als große Bereicherung.

Ashmodiel hat gesagt…

Kassandra, die Verdammung der bösen, bösen Christen in der Heidenszene ist mir schon fast mal einen eigenen Eintrag wert. Das nervt mich unglaublich an. Manch einer WILL sich glaube ich einfach verfolgt fühlen.

@ Anonym - dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen. Dass diese Reduzierung auf sich angeblich beleidigt fühlende Muslime zur zunehmenden Islamfeindlichkeit führen kann, ist mir noch gar nicht aufgegangen.