12 April 2011

Gemalt - Edward II.

Ich wollte ihn schon lange, lange, lange malen und wusste es nie so recht auf Papier zu bringen. Vorgestern ist mir endlich die Skizze gelungen, mit der ich zufrieden bin und nun konnte ich ihn endlich so malen, wie ich ihn "kenne".

Picture © by me. No use without permission.
Edward II. von England, genannt Edward of Caernarfon, war der sechste der Plantagenet-Könige. Geboren wurde er am 25. April 1284 auf Caernarfon Castle in Wales als vierter Sohn von Edward I. und seiner ersten Frau Eleanor of Castile.
König werden wollte der arme Edward nie, doch blieb ihm nach dem Tod seiner Brüder nichts anderes übrig. Sein Bruder Alphonso starb 10jährig im August 1284 - und hinterließ damit Edward als einzigen Thronerben.
Edward, der leidenschaftlich gerne Boot fuhr (auf die sportliche Art), Kunsthandwerk fertigte und kochte. Edward, der auch als König noch gerne persönlich auf den Markt ging, um die Kohlköpfe für seine berüchtigte Kohlsuppe auszusuchen, der gerne angelte und wahrscheinlich mit einem bescheidenen Leben als Fischer deutlich glücklicher gewesen wäre.
Auch, wenn er gerne als einer dert schlechtesten Könige bezeichnet wird, die England je hatte (was sicher immer noch den missgünstigen Adligen zu verdanken ist, die ihm damals aufgrund seiner sogenannten "Günstlingswirtschaft" das Leben schwer machten...und der Battle of Bannockburn), kann ich mir denken, dass er beim Volk durchaus beliebt war. Er war gerne unter den einfachen Menschen und entlohnte sie ebenso gern für kleine Gefälligkeiten. In den Registern finden sich dafür immer wieder Beispiele, unter anderem auch kuriose. So musste er einmal seinem Hofnarren Entschädigung zahlen - für den Streich, den er ihm im Wasser spielte.

Beschrieben wird Edward als ausgesprochen gut aussehender, großer und gut gebauter Mann. Er muss eine ebenso beeindruckende Erscheinung wie sein Vater gewesen sein, interessierte sich aber weniger für Schlachten als vielmehr für sportliche Betätigungen und wie gesagt Kunsthandwerk und angenehme Unterhaltung wie Theater, Poesie etc. Sein Vater hatte ihn mit eiserner Hand erzogen und ihm immer wieder vor Augen geführt, als wie unvermögend er ihn ansah - was natürlich Spuren in Edwards Selbstbewusstsein hinterließ.
Das Leben am Hofe war auch nicht eben geeignet, um ihn aufzubauen, und so ließ er es seinen Freunden, denen er wirklich vertraute, doppelt gut gehen. Viel Ärger gab es, wie zuvor schon beschrieben, wegen seines "Perrot", Piers Gaveston, der vermutlich auch sein geliebter gewesen ist. Edward I. ließ Piers das erste Mal verbannen, weil ihm die Beziehung der beiden, die er selber forciert hatte, dann doch zu eng wurde - vor allem aber, weil sein Sohn Piers einen Titel verleihen wollte, der eigentlich dem Königshaus vorbehalten war, indem er ihm seine Grafschaft Ponthieu übertragen wollte. In meinem Artikel über Piers ist der Ausbruch der "schwarzen Galle" des Königs, der diesem Anliegen folgte, ein wenig beschrieben.

1306 wurde Edward in einer Zeremonie namens Feast of the Swans von seinem Vater zum Ritter geschlagen und bereits 1301 zum ersten Prince of Wales gemacht worden. Diesen Titel trägt seitdem jeder englische Kronprinz.

Am 7. Juli 1307 starb Edward I. während eines Feldzuges gegen den ewigen Feind, die Schotten. Ein Chronist hat geschrieben, Edward I. habe seinen Sohn angewiesen, seinen Körper zu kochen, die Knochen herauszuholen und sie mit der Armee mitzuführen, bis die Schotten besiegt seien. Nun - Ned (wie Piers ihn nannte) hat dies nicht getan und beerdigte seinen Vater in Westminster Abbey. Gleich darauf rief er den verbannten Piers zurück, machte ihn zum ersten Earl of Cornwall und verheiratete ihn politisch geschickt mit seiner Nichte Margaret of Gloucester. Außerdem zog er sich vom Feldzug gegen Schottland zurück.

Am 25. Januar 1308 heiratete Ned - ebenfalls wegen der Politik, denn dies wurde bereits im Treaty of Montreuil 1299 so bestimmt- Isabella von Frankreich; am 25. Februar 1308 wurden die beiden gekrönt. Isabella hat es wohl von Beginn an sehr missfallen, dass ihr Ehemann sich mehr Piers zuwandte und sie selber ziemlich links liegen ließ.
Trotz allem hatte das Paar vier Kinder: Edward, der Ned als Edward III. auf den Thron folgen sollte, John of Eltham, der später Earl of Cornwall wurde, Eleanor und Joanna, die David II of Scotland heiraten würde. Angeblich soll er auch einen unehelichen Sohn, Adam FitzRoy, gehabt haben, der ihn im Schottlandfeldzug von 1322 begleitet hatte und bald darauf starb.
1308 während seiner Reise nach Boulogne, ließ Ned Piers als Regenten zurück - was zum ersten Unmut unter den Adligen führte. In denen gärte bereits Unzufriedenheit mit Dingen, die bereits vor Neds Regentschaft lagen. Dann kam auch noch Piers zurück - und das, nachdem Edward I. auf seinem Sterbebett seinen engsten Verbündeten, Henry de Lacy, Earl of Lincoln, Guy de Beauchamp, Earl of Warwick, Aymer de Valence, Earl of Pembroke und Robert Clifford, aufgetragen hatte, auf seinen Sohn aufzupassen und vor allem sicherzustellen, dass Piers nicht zurückkehrte. Wie auch immer - Piers war wieder da und das sogenannte Boulogne agreement wurde am 31. Januar 1308 unterzeichnet. Hierin wurde unterschieden zwischen der Person des Königs und der Krone. Die Unterzeichner verpflichteten sich, die Ehre des Königs und die Rechte der Krone zu wahren (garder son honeur et les dreits de sa Corounne) und auch ebenso alle Dinge anzusprechen, die dem zuwiderliefen, wie z.B. Unterdrückung des Volkes (les choses que sont feites avant ces houres countre soen honour et le droit de sa Coronne, et les oppressiouns que ount estre feit et uncore se fount de jour en jour a soen people.) Ziel des ganzen war vermutlich Piers Gaveston, der nach herrschender Meinung viel zu viel Einfluß auf den jungen König hatte. Mitunterzeichner Antony Bek, Bischof von Durham und Patriarch von Jerusalem, hatte das Recht, einen jeden, der gegen das Agreement verstieß, zu exkommunizieren.
Man ließ Ned sogar einen Satz an seinen Schwur bei der Krönung hinzufügen, mit dem er sich verpflichtete, die Gesetze zu befolgen.
Und immer unzufriedener wurden sie - vermutlich fühlten sie sich durch Piers in ihrer eigenen Machtposition bedroht - und verlangten schließlich in den Ordinances von 1311, er möge erneut verbannt werden. Zu den Ordinances könnte ich jetzt noch eine Menge schreiben, denn sie beschnitten Neds Position außerordentlich und ungeheuer unverschämt, doch das würde nun den rahmen sprengen. Nachlesen kann man es z.B. hier, zwar nur im Cache, weil die Seite derzeit einen fehler hat, aber den Text ändert das ja nicht.
Ned rief Piers zwar wieder zurück, konnte jedoch nicht verhindern, dass dieser 1312 auf Order des Earl of Lancaster (seines Cousins Thomas) und seiner Verbündeten erneut gefangengenommen wurde. Die Bande behauptete, er habe den König zu Torheiten verleitet. Das ganze führte, wie in meinem Bericht über ihn zu lesen, zu Piers Tod am Blacklow Hill. (Dort steht heute Gaveston's Cross, um daran zu erinnern.)
Die Chronisten sind nicht viel freundlicher zu Piers... Sie nannten die Beziehung der beiden excessive, immoderate, beyond measure and reason und bemäkelten Neds Wunsch nach wicked and forbidden sex. Der Chronist von Westminster behauptet, Piers habe Ned dazu gebracht, die "süße Umarmung seiner Ehefrau" zurückzuweisen während der Meaux Chronicle etliche Jahrzehnte später noch stichelt: "Edward took too much delight in sodomy". (Sodomie war das damalige Wort für Homosexualität.)

Ned wurde vor Gram über Piers' Tod beinahe wahnsinnig und behielt seine einbalsamierte Leiche zweieinhalb Jahre bei sich, bis er von der Kirche zur Beerdigung gezwungen wurde. Gleich danach machte Ned sich an die Bestrafung der Verantwortlichen. Mitte Juli 1312 riet Aymer de Valence, der 2. Earl of Pembroke, Ned, den Baronen den Krieg zu erklären. Diese ließen sich im September 1312 auf Verhandlungen ein und im Oktober 1312 wurden die Earls of Lancaster, Warwick, Arundel und Hereford gezwungen, den König um Vergebung zu bitten.

Einige Zeit nach Piers' Tod freundete Ned sich mit seinem angeheirateten Neffen Hugh Despenser the Younger an. Die Freundschaft wuchs, die Beziehung wurde enger....und die Barone handelten wie gewohnt und fühlten sich benachteiligt und beleidigt.
Um das Jahr 1320 spitzte sich die Situation in England wieder zu. Ein gewisser John Deydras hatte Ned als Thronanwärter herausgefordert und wurde zwar recht schnell exekutiert, doch die Gerüchteküche kochte. Darüberhinaus zog sich Ned mal wieder den Zorn des Adels zu, indem er Gesetze zugunsten der Despenser missachtete. Lord de Braose of Gower hatte seinen Titel an seinen Schwiegersohn verkauft, was in den Welsh Marshes vollkommen legitim war. Despenser jedoch verlangte Gower statt dessen für sich, Ned konfiszierte es und bot es ihm zum Zorn der Barone an.
1321 nahmen der Earl of Hereford, der Earl of Lancaster und andere ihre Waffen gegen die Despenser auf und zwangen Ned, sich mit ihnen zu einigen. Was bedeutete, dass er am 14. August 1321 begleitet von den Earls of Pembroke and Richmond die Despensers (Vater und Sohn) in Westminster Hall als verbannt erklären musste.
Auf den freigewordenen Platz drängten natürlich etliche Emporkömmlinge, schwarwenzelten um Ned herum, schmierten ihm Honig ums Maul und legten eine Schleimspur, die vermutlich dreimal um England herum reichte. Allerdings halfen sie Ned auch, viele seiner Gegner loszuwerden. Thomas Plantagenet z.B., Earl of Lancaster - der Cousin des Königs und einstig sehr guter Freund von Ned und Piers, bis der ganze Schlamassel losging - wurde im Beisein Neds enthauptet.

Auf den Platz der Despenser rückte natürlich niemand anders als sie selber wieder und sie und Ned saßen eine zeitlang fest im Sattel. Im Parlament von 1322 brachte Ned ein Gesetz heraus, das jeglicher Machtbeschneidung seiner ein Ende bereiten sollte. Das wurde ihm so ausgelegt, dass nun alle still unter seinem Joch zu leiden hatten und 1324 schlug ein Attentat auf ihn und die Despensers fehl. 1325 wurde einem John of Nottingham der Prozess gemacht, der versucht haben sollte, sie mit Magie zu töten.

Neds Frau Isabella indes hatte sich in Paris mit seinem ehemaligen Freund Roger Mortimer zusammengetan und plante die Eroberung Englands. Während seiner Vorbereitungen dagegen sah Ned sich von vielen verlassen. Sein Sohn wollte bei seiner Mutter bleiben, die ihm die arme, unglückliche und verlassene Ehefrau vorspielte, sein Halbbruder heiratete Mortimers Cousine Margaret Wake und auch John de Cromwell und der Earl of Richmond blieben bei Mortimer.

....

Und eben kommt Feona in mein Zimmer, um mich zu fragen, ob ich etwa immer noch über Ned schreibe...
Ja, tu ich. Und ich sehe, dass das hier viel zu lang wird.
Also schließe ich damit, dass Isabella und Roger Ned schließlich zwangen abzudanken, ihn gefangennahmen und auf übelste Weise umbringen ließen. Zuvor wurde sein Hugh le Despenser ebenso bestialisch exekutiert und Ned beendete ein Leben, das er so niemals gewollt hatte.

Ein ganz toller Mann, der von der Geschichte nicht gut behandelt wird und zu Unrecht einen miesen Ruf hat. Womit er sich ja mit John I. zusammentun kann.

Einen tollen Blog mit den verschiedensten Fakten zu Ned findet Ihr übrigens unter http://edwardthesecond.blogspot.com/

Kommentare:

Feona Malea hat gesagt…

Welch furchtbares Leben ...

Aber ein sehr sehr schönes Bild - wirklich!

Grey Owl Calluna hat gesagt…

Hui.....sehr männlich der Kerl.

Da hast Du Dir aber wieder viel Mühe gemacht liebe Ashmodai!
Danke!
Sei lieb gegrüßt
Grey Owl

Ray Gratzner hat gesagt…

Liebe Ashmodai,

vielen Dank für diesen Exkurs in die Geschichte und schwule Könige scheinen es auch nicht immer leicht gehabt zu haben....

Das Bild ist Dir vortrefflich gelungen, ich finde dieser Edward kommt sehr warm und volksnah rüber.

Liebe Grüße Rainer

Alexis hat gesagt…

Ich bin beeindruckt von der Geschichte :-) (von dem Bild natürlich auch)

Jetzt ehrlich gesagt... das ist die erste deiner Biographien, die ich wirklich ganz gelesen habe und ich mag Ned ^^ :D :D :D ja ja :) :) :) :) :) oh ja. Sorry ich kann nicht aufhören blöd zu grinsen :)

LG
Alexis

Ashmodai hat gesagt…

Danke Euch ganz herzlich!
Ich freu mich sehr.

Alexis, mich überkommt auch immer dieses grenzdebile, breite Grinsen bei Ned. Er ist einfach toll!
(Aber Piers auch. Ja ja. Ja. Ja. Mhm. Ja. Japp.)

Amitiel hat gesagt…

Ich hätte auch gerne noch ein bißchen mehr Biografie gehabt in diesem Fall. ;) Und das Bild ist richtig toll!

Ashmodiel hat gesagt…

Dankeschöööön! *umarm*

Barbara hat gesagt…

Ungefähr so stell ich mir wohl Erzengel Michael vor... ;-)

Ashmodiel hat gesagt…

Ich seh Michael immer schwarzhaarig :)
Aber auch mit sehr markantem Gesicht :)