11 November 2008

Sankt Martin

Heute ist der Tag des Heiligen Martin - Sankt Martin - und es gibt wieder Laternenzüge, Weckmänner, Martinsfeuer und das Martinssingen.
Als Kind war dieser Tag immer ein totales Highlight im Jahr, durfte ich doch mit meinen Freunden singend um die Häuser ziehen und Süßigkeiten sammeln, beim Martinszug mitmachen und das Feuer sehen.
Noch heute mag ich die Atmosphäre dieses Tages und "damals" als Erzieherin hat es mir auch immer gefallen, mit den Kindern Laternen dafür zu basteln.

Die Geschichte von Sankt Martin, dass er seinen Mantel mit einem Bettler teilte, kannte natürlich jeder. Aber ich bin neugierig auf den Rest, den es über diesen Mann zu erfahren gibt.

Martin von Tours hieß eigentlich Martinus, denn er war Römer. Geboren wurde er um das Jahr 316/317 herum in der römischen Provinz Pannonien - im heutigen Ungarn. Sein Name Martinus leitet sich von Mars, dem römischen Kriegsgott ab.


Seine Jugend verbrachte Martinus in Oberitalien, bei seinem Vater in Pavia. Da sein Vater Militärtribun war, fügte sich auch Martinus in diese Laufbahn, denn als Sohn eines römischen Offiziers war auch er zum Militärdienst gesetzlich verpflichtet.

Als Martinus 15 Jahre alt war, wurde er nach Mailand zur Leibwache von Kaiser Kosntantin II. eingezogen. Martinus nahm teil an den Kämpfen zwischen Römern und Alemannen in Gallien und diente unter Julian.

Vor einer Schlacht gegen anrückende Germanen in der Nähe des Heerlagers der Civitas Vangionum, des heutigen Worms, verweigerte Martinus als Offizier des römischen Besatzungsheeres die Teilnahme mit dem Hinweis, er sei von nun an nicht mehr miles Caesaris, ein Soldat des römischen Kaisers, sondern miles Christi und bat um Entlassung aus dem Armeedienst. (Schon in seiner Jugend in Oberitalien kam er in Berührung mit dem Christentum und blieb diesem Glauben dann anhängig.)
Dieser Wunsch wurde ihm jedoch lange verweigert und so wurde er erst 356 nach Ableistung seiner 25jährigen Dienstzeit im Alter von 40 Jahren von Julian aus dem Heerdienst entlassen.

Martinus lernte dann einige Zeit bei Hilarius, dem Bischof von Poitiers und lebte später als Einsiedler auf einer Insel namens Gallinaria bei Genua.
Nachdem ihm aber allzuviele Anhänger dorthin folgten, hatte es sich offensichtlich ausgeeinsiedlert und er zog zuerst zu seiner Mutter nach Pannonien, dann wieder nach Gallien.
In Gallien errichtete er das allererste Kloster des Abendlandes (in Ligugé).
375 errichtete er auch in Tours ein Kloster - das Kloster Marmoutier. Mit dem Bischof von le Mans, Liborius, den er dort kennenlernte, verband ihn eine lebenslange Freundschaft.

Kloster Marmoutier

Am 4. Juli 372 wurde er zum Bischof von Tours geweiht. Statt in der Stadt zu leben, wohnte er lieber in den Holzhütten vor der Stadtmauer, wo aber schon zu seinen Lebzeiten das Kloster Saint-Martin de Ligugé entstand.
Am 8. November 397 starb Martinus 81-jährig auf einer Visite in Candes, einer Stadt seines Bistums. Er wurde am 11. November in Tours unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt. Martinus war nach Maria, der Mutter Jesu, und dem Apostel Johannes der erste Heilige des Abendlandes, der nicht den Tod als Märtyrer gestorben war.

Überlieferung:
Ab 334 war Martinus als Soldat der Reiterei der Kaiserlichen Garde in Amiens stationiert. Die Gardisten trugen über dem Panzer die Chlamys, einen weißen Überwurf aus zwei Teilen, der im oberen Bereich mit Schaffell gefüttert war. An einem Tag im Winter begegnete Martin am Stadttor von Amiens einem armen, unbekleideten Mann. Außer seinen Waffen und seinem Militärmantel trug Martin nichts bei sich. In einer barmherzigen Tat teilte er seinen Mantel mit dem Schwert und gab eine Hälfte dem Armen. In der folgenden Nacht sei ihm dann im Traum Jesus erschienen, bekleidet mit dem halben Mantel, den Martin dem Bettler gegeben hatte.

Bald entstehen etliche Legenden mit Erzählungen von Wundern Martins. So wurden ihm beispielsweise Totenerweckungen zugeschrieben. Eine weitere Überlieferung besagt, dass Martin im Jahr 371 in der Stadt Tours von den Einwohnern zum Bischof ernannt werden sollte. Martin, der sich angeblich des Amtes unwürdig empfand, habe sich in einem Gänsestall versteckt. Die aufgeregt schnatternden Gänse verrieten aber seine Anwesenheit, und er musste das Bischofsamt annehmen. Davon leite sich der Brauch der Martinsgans ab.

Und das wohl bekannteste Martinslied darf auch nicht fehlen: Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind.

Meine eigenliche Frage, die ich schon seit Jaaaaaahren beantwortet haben möchte, habe ich allerdings immer noch nicht gelöst. Wieso die Laternenumzüge zu Sankt Martin?
Was hat es mit diesem Brauch auf sich?
Von Feona Malea weiß ich, dass es in ihrer Heimat den Brauch des Kilbesingens gibt, auch um diese Zeit herum.
Auch der arme Jack O'Lantern irrt Ende Oktober mit einem Licht in einer ausgehöhlten Rübe umher.
Meinem Empfinden nach hat das mit dem Licht in die dunkler werdende Zeit bringen zu tun. In Verbindung mit Martin vielleicht auch mit Hoffnung? Er gab vielen Menschen durch seine Taten Hoffnung, denke ich.
Und das Süßigkeiten-Sammeln könnte dann eine Erinnerung an die Mildtätigkeit sein.
Aber das sind ja nur Theorien....Ich würde mich freuen, wenn von Euch jemand näheres weiß.
Zum Martinsfeuer habe ich einen Text gefunden, der immerhin meine Vermutungen stützt:
Wo man die Martinsfeuer noch abbrennt, wird das Feuer als Symbol verstanden: Es bringt Licht in das Dunkle, wie die gute Tat Martins das Erbarmen Gottes in die Dunkelheit der Gottesferne brachte. Der Ursprung des Martinsfeuers wird in den Riten der germanischen Wintersonnwendfeier und des germanischen Erntedankfestes vermutet: Ein Freudenfeuer, wie es auch zu anderen Anlässen angezündet wurde, ist zugleich aber auch ein reinigendes Feuer, in dem das vergangene Jahr verbrannt wird: Der Sommer wird verbrannt! Das „Sommerverbrennen“ soll daran erinnern, dass ein Zeitabschnitt unwiederbringlich vergangen war.
© Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln

Ich für meinen Teil würde heute Abend gerne zum Martinsfeuer gehen. Image Hosted by ImageShack.us

Kommentare:

amala hat gesagt…

soweit ich weiß, vertreibt man mit den laternenumzügen die schlechten geister, die sich in der zunehmenden dunkelheit wohlfühlen...

ashandra hat gesagt…

oh da hast du wunderschöne Erinnerungen hervorgebracht! Danke.
Als ich Erwachsen wurde, hat meine Mutter mich jedes Jahr angerufen und mich die Musik des Zuges hören lassen, der jedes Jahr durch ihre Straße zieht. Das ist das erste Jahr, wo sie mich nicht mehr anrufen wird.

Grey Owl Calluna hat gesagt…

Hallo Ashmodai!
Also gab´s das "Süßigkeitssammeln" in Deutschland früher auch schon, wuste ich gar nicht. Sankt Martin hat man bei uns nicht gefeiert.
Ich lese eigentlich selten sowas, aber was Du da schreibst ist wirklich mal interessant. Gerade christliche, katholische Heilige,...sind nicht so mein Fall. Da wurde wieder was nachgeahmt und übergestülbt, weil auch die Christen und Katholiken nicht ohne Heilige und Wunder auskommen.
Viele liebe Grüße
Grey Owl

Ashmodai hat gesagt…

Ja, sowas in der Art dachte ich auch, Amala. :)

Ashandra, ich hoffe, es hat nicht auch traurig gemacht.

Grey Owl, ich glaub, manche Heilige hatten ganz gut was drauf. ;)

chocina hat gesagt…

moin
im kindergarten fand ich das total toll laternen basteln die laternen umzüge und anschließend das lagerfeuer mit leckeren broten
daran erinner ich mich immer sehr gerne
lg
chocina

Ashmodai hat gesagt…

Ich auch, Chocina. :)
Dieses jahr gabs keinen Weckmann. :-/ Ich hab mit Metabolic angefangen.

Grey Owl Calluna hat gesagt…

....das bezweifle ich nicht!!