08 Juli 2009

Gemalt: Edward the Confessor

Ein weiteres Bild aus unserer Heiligenreihe. Ich bin ziemlich stolz auf ihn. Und deshalb müsst Ihr Euch auch auf einen seeeehr langen Bericht gefasst machen. Also - nehmt Euch einen Kaffee oder Tee und lehnt Euch zurück.


Artwork by me. No use without permission.

Edward the Confessor wurde im Jahr 1003 in Islip (Oxfordshire) als Sohn König Æthelreds the Unready und seiner zweiten, normannischen, Frau Emma of Normandy geboren.
Ausgebildet wurde er zunächst in Ely, dann in der Normandie. Dies wurde 1013 notwenig, da die Kinder vor der dänischen Invasion Englands geschützt werden sollten. Die skandinavischen Könige Sweyn Forkbeard (Svend Tveskæg) und Cnut wurden zu Nachfolgern auf den englischen Thron gekürt – und so wurde Edward zusammen mit seinem Bruder Alfred vom Herrn Papá in die Normandie geschickt.
Drei Jahre später, im April 1016, starb Æthelred und wurde von Edwards älterem Halbbruder Edward Ironside nachgefolgt, der den Kampf gegen die Dänen fortsetzte bis er selber nur sieben Monate später starb. Der skandinavischen Überlieferung zufolge war Edward da schon wieder im Lande (seine Kindheit in der Normandie soll übrigens fürchterlich und sehr einsam gewesen sein) und hatte an der Seite seines Bruders schon kräftig mitgekämpft. Hier soll er sich damit hervorgetan haben, Cnut beinahe in Zwei zu teilen. Da Edward da aber gerade einmal zarte 13 Jahre alt war, gehört diese Geschichte wohl eher ins Reich der Legenden.

Jedenfalls wurde er weiter in der Normandie unterwiesen und obwohl allgemein behauptet wird, er habe während seiner prägendsten Jahre in diesem Vierteljahrhundert, in dem England Teil des Dänischen Reiches war, eine starke innere Frömmigkeit entwickelt, wird dies von einigen modernen Historikern abgelehnt.
Seine Vertrautheit mit den normannischen Führern sollte seine spätere Herrschaft nachhaltig beeinflussen. Die Zuflucht, die ihm gewährt und die Missachtung und Vernachlässigung, die ihm in von den Normannen entgegengebracht worden war, hinterließen ihn gleichzeitig dankbar und bitter gegenüber seinen Angehörigen dort. (Es heißt auch, dass Edward, als Duke Robert of Normandy (Robert Curthose oder Robert II., ein Sohn von William the Conqueror mit dem er um einige Ecken verwandt war, da William der Großneffe seiner Mutter war) mit Godefroy de Bouillon zum Ersten Kreuzzug ins Heilige Land aufbrach, zu einem der Vormunde von dessen Sohn William ernannt wurde. Das ist meiner bescheidenen Ansicht nach allerdings vollkommener Schwachsinn, da dieser William erst nach Roberts Rückkehr vom Kreuzzug im Jahre 1102 das Licht der Welt erblickte – und da war Edward schon einige Jahre nicht mehr unter den Lebenden. Irgendwer muss da verwechselt worden sein.)

Als Cnut (der Däne, man erinnere sich) im Jahr 1035 das Zeitliche segnete, war eigentlich Harthacnut sein Nachfolger auf den englischen Thron, aber dessen Halbbruder Harold Harefoot („Hasenfuß“ übrigens nicht etwa, weil er feige gewesen wäre, sondern aufgrund seiner Schnelligkeit und seines Geschicks bei der Jagd!) sah das anders und schnappte sich die Krone.
Edward und sein Bruder Alfred bemühten sich 1036 erfolglos darum, Harold abzusetzen. Edward ging (sicherlich schweren Herzens) wieder zurück in die Normandie zu seinen „geliebten“ Verwandten – aber Alfred hatte das Pech, von Godwin, dem Earl of Wessex, gefangengenommen zu werden, welcher ihn gleich an Harold Harefoot weiterreichte. Verzeihen und Großmut waren nicht Harolds Stärke und offensichtlich war er ziemlich angepisst über diese Revolte der Brüder – denn er blendete den armen Alfred und machte ihn damit als König „unbrauchbar“.
Kurz darauf starb Alfred an den Folgen dieser Folter. Edward sah seinen Bruder damit als ermordet an, was wahrscheinlich auch der Grund für seinen tiefen Hass gegen den Earl war – und für die Verbannung Godwins im Herbst 1051. Edward ließ einmal verlauten, dass Godwin nur dann Vergebung erlangen könne, wenn er seinen ermordeten Bruder wiederbrächte.

1040 starb Harold Harefoot und Harthacnut folgte ihm auf den Thron – gerade als er dabei war, eine Invasion vorzubereiten. Der angelsächsische Laien- und Kirchenadel lud Edward 1041 ein, nach England zurückzukehren. Dieses Mal kam er in den Haushalt seines Halbbruders Harthacnut (jaaa…Emma und Cnut entdeckten nach Æthelreds Tod ihre Gefühle füreinander) und wurde - nach der Anglo-Saxon Chronicle – als König an der Seite Harthacnuts vereidigt. Nach dessen Tod am 8. Juni 1042, folgte ihm Edward 39-jährig auf den Thron. Die Anglo-Saxon Chronicle berichtet von der Beliebtheit, in der er sich bei seiner Thronbseteigung sonnen konnte: "before he [Harthacnut] was buried, all the people chose Edward as king in London."
Gekrönt wurde er in der Kathedrale von Winchester, dem königlichen Sitz der Westsachsen (Altenglisch Westseaxe= Wessex) am 3. April 1043.

Edwards Herrschaftszeit war geprägt von Frieden und Wohlstand – aber um vernünftig regieren zu können, musste er sich mit drei einflussreichen Earls arrangieren: Godwin, Earl of Wessex , der die Thane (Angelsächsisch thegn) von Wessex unter Kontrolle hatte (und Wessex war sozusagen das Herz der Angelsächsischen Monarchie gewesen), Leofric, Earl of Mercia, dessen Rechtmäßigkeit durch seine Heirat mit Lady Godiva erstarkt war und im Norden Siward, Earl of Northumbria.
Die Dänischen und sächsischen Adligen waren wenig von Edwards Zuneigung zu seinen normannischen Günstlingen begeistert, was Wasser auf die Mühlen von Godwins antinormannischer Meinungsmache war. Godwin wurde übrigens im Jahr 1045 Schwiegervater des Königs, der seine Tochter Edith am 23. Januar 1045 heiratete.
Richtig kriminell wurde es, als Edward einen neuen Erzbischof von Canterbury zu ernennen hatte und nicht den Mann akzeptierte, den Godwin gerne gehabt hätte, sondern den Bischof von London, Robert of Jumièges, einsetzte – einen Normannen, dem er vertraute. Die Sache spitzte sich in einem blutigen Aufstand zwischen Edwards Verwandtem Eustace, Count of Bologne und den Städtern in Dover zu. Godwin weigerte sich, die Leute zu bestrafen, Leofric und Siward unterstützten den König.
Zu guter Letzt wurde Godwin mit seiner Baggage (Familie) im September 1051 ins Exil geschickt. Königin Edith, seine Tochter, durfte auch nicht bleiben – sie wurde in ein Nonnenkloster in Wherwell gesteckt. Endlich Ruhe vor der Sippe!

Diese Ruhe hielt nicht lange an, denn Godwin gab mitnichten klein bei und fand sich mit seiner Lage ab, sondern kehrte mit einer ganzen Armee ein Jahr später nach England zurück und zwang Edward, ihm seinen Titel zurückzugeben und seine normannischen Berater in die Wüste zu schicken. Godwin starb 1053 und ein Normanne mit dem putzigen Namen Ralph the Timid (Ralph der Schüchterne) erhielt Herefordshire, doch sein Sohn Harold (Harold Godwinson) häufte noch größere Gebiete für die Godwins an, welche nach 1057 beinahe alle Grafschaften bis auf Mercia unter ihrer Fuchtel hatten. Jener Harold führte 1063 auch recht erfolgreiche Plünderzüge nach Wales an und verhandelte mit seinen Erbrivalen in Northumbria 1065. Im Januar 1066, nach Edwards Tod, wurde er zum König ernannt.

Zu dieser Ernennung teilen sich auch die Meinungen, Die Normannen waren natürlich der Ansicht, William the Conqueror sei als Nachfolger Edwards benannt worden und dass Harold von Edward als Abgesandter zu ihm geschickt wurde, um ihm die Entscheidung des Königs mitzuteilen. William of Poitiers jedoch, Williams Biograph, schreibt, dass König Edward auf dem Sterbebett zugunsten Harolds entschied. Auch der Witenagemot, eine altenglische Institution und laut Übersetzung das Treffen der Weisen, bestätigte Harold als König.

Kinder waren aus der Ehe Edwards und Ediths ja nicht hervorgegangen (was auch später seine Heiligkeit unterstreichen sollte). Wieso nicht, darüber wurde viel spekuliert…. Nur wenige Jahre nach Edwards Tod machten Gerüchte die Runde, er habe die Ehe nie vollzogen, weil er aus religiösen Gründen ein Keuschheitsgelübde abgelegt hatte oder aber wahlweise sich einfach aus Feindschaft zu Godwins Familie weigerte, seiner Frau ehelich beizuwohnen.
Dass er sie niemals angefasst hat, scheint sicher zu sein.
Dass der Grund vielleicht war, dass der Mensch ganz einfach schwul gewesen ist (und auch deshalb den einen oder anderen normannischen Liebling im Laufe der Jahre gehabt hatte), darauf ist wohl niemand gekommen.

Edwards nächster Erbe wäre sein Neffe Edward the Exile gewesen, welcher in England geboren wurde, aber fast sein ganzes Leben in Ungarn verbracht hatte. Er kehrte 1056 aus seinem Exil zurück und starb bereits im Februar 1057. Also benannte Edward seinen Großneffen Edgar Ætheling als seinen Erben, der jedoch so gar keine Unterstützung von Seiten der Earls hatte, und erst 14 Jahre alt war.
Dies ebnete den Weg für Harolds Krönung und die Invasionen zweier probater Thronanwärter. Die von Harald Hardrada im Norden blieb erfolglos, die von William of Normandy, später als William the Conqueror bekannt, nicht. So wurde Edgar Ætheling durch den Witan zwar zum König gewählt, aber von William beiseite geputzt.

Edward war aber nicht nur der letzte angelsächsische König Englands, der den Weg für die Normannen und damit erstmal für die Plantagenets ebnete. Er ist ebenso ein Heiliger. Dieser Ruf hing ihm schon zu Lebzeiten an, denn er war seinen Untertanen stets zugänglich, großzügig zu den Armen und dann war da noch die Sache mit der nie vollzogenen Ehe. (So gesehen: Wieso gibt es nicht den Heiligen Richard The Lionhearted? *rumschmoll*) Es ist ebenfalls bekannt, dass er Visionen hatte und Skrofulose, eine Halsdrüsengeschwulst die heutzutage sehr selten ist und hauptsächlich Kleinkinder befällt, durch Handauflegen heilte. Danach hielt sich lange Zeit der Glaube, jeder englische König nach Edward könne das heilen, daher bekam die Krankheit auch im Volksmund den Namen the King’s Evil.

Er stärkte die engen Bande zwischen der Altenglischen Kirche und dem Papst indem er Bischöfe zu den Konzilen Leos IX 1049-1050 sandte und empfing päpstliche Legate im Jahr 1061. Er setzte weltliche Kleriker, ab und an auch von außerhalb England, als Bischöfe ein und schränkte so das Beinahe-Monopol der klösterlichen Bischöfe ein.
Das jedoch nicht aus Geringschätzigkeit den Klöstern gegenüber. Im Gegenteil, er ist sogar der eigentliche Gründer von Westminster Abbey, der er ab und an bis zu einem Zehntel seines Einkommens spendete. Großzügig bedachte er die Abtei mit Ländereien in verschiedenen Grafschaften und erbaute eine große romanische Kirche, die zum Ort der Krönungen und Begräbnisse der englischen Könige und Königinnen werden sollte.
Knapp vor seinem Tod wurde sie fertig gestellt und geweiht. Leider konnte er der Zeremonie nicht beiwohnen, weil er zu krank war, doch er wurde dort bestattet. Seine Reliquien liegen dort ungestört bis zum heutigen Tage.

Im Jahr 1102 wurde der Körper des letzten Königs aus der altenglischen Linie unverwest vorgefunden. Unter König Stephen wurde 1138 schon einmal ein Versuch gestartet, ihn heiligsprechen zu lassen – unterstützt wurde er dabei von einer neuen Biographie, die Osbert of Clare geschrieben hatte. Papst Innozenz II. vertagte die Entscheidung, ermunterte die Mönche von Westminster jedoch, weitere Fakten zu sammeln.

1160 dann legte sich Henry II. (ich habe bereits über ihn geschrieben, er war der Vater von Richard I. und John I.) noch mal richtig ins Zeug, denn er war durch seine Urgroßmutter Margaret of Scotland mit Edward verwandt. Indem er Alexander III. gegen den Gegenpapst unterstützte erreichte er 1161 dann auch die Heiligsprechung.
Am 13. Oktober 1163 wurden die Reliquien feierlich überführt. Das war ein Nationalereignis – die Predigt hielt der schnuckelige Ailred of Rievaulx (der später selber zum Heiligen wurde und ein weiteres Life of Edward geschrieben hatte). Thomas Becket – ein weiterer (schnuckeliger) Heiliger – führte den Vorsitz über die Feierlichkeiten. Der 13. Oktober wurde dann auch zum Feiertag Edwards.
Die römisch-katholische Kirche sieht St. Edward the Confessor als Schutzheiligen der Könige, schwieriger Ehen und getrennter Eheleute. Nach der Regierungszeit Henrys II. – also ab Richard I. – wurde er zum Schutzheiligen Englands, bis er darin 1348 von Saint George abgelöst wurde. Edward bleibt jedoch Schutzpatron der Royal Family.

Wer wie ich gerne Englisch liest. kann im Oxford Dictionary of Saints und den dort genannten weiterführenden Quellen viel und fein über ihn lesen.

Kommentare:

amala hat gesagt…

boar, das bild ist der wahnsinn! ehrlich, ash, du wirst immer besser!

Fairy hat gesagt…

dem schließe ich mich mal an =)

Ashmodai hat gesagt…

Ich danke Euch!
Ich bin aber auch super stolz auf das Bild :)

Grey Owl Calluna hat gesagt…

Liebe Ashmodai!
Oh, grüne Augen.....und der Ring sieht ja fast wie eine Aufforderung zum Heiraten aus.

Da hast Du Dich ja wieder wahnsinnig in´s Zeug gelegt! Alle Achtung!

....und das Bild ist Dir natürlich wieder sseehhhhrrrr gut gelungen!!!!!
Einfach großartig!
Ganz liebe Grüße,
und Danke für den ausführlichen Bericht.
Grey Owl

Ashmodai hat gesagt…

Liebe Grey Owl,

DAAAAAAAAAAAAAAAAANKE! Ich freu mich!
Den Ring trägt er, weil sich so eine Legende drum rankt - er soll ihn mal einem Bettler gegeben haben, weil er keine Münzen dabei hatte.
Naja, und schlußendlich ist die Story dann ähnlich wie die von Martin und dem Mantel, nur dass der Bettler hier nicht Jesus, sondern Johannes der Täufer ist. Wahrscheinlich weiß dieser Bettler bis heute nichts von seinem Ruhm. ;)

Liebe Grüße und einen schönen Tag,

Ash

Dryade hat gesagt…

Bei deinen wunderschönen, ausführlichen Texten fühle ich mich immer wie in eine andere Zeit versetzt. - hast du schonmal überlegt Geschichtslehrerin zu werden ;-).
Perfekter wäre es nur wenn mir das mein Computer vorlesen würde & ich mich zurücklehnen könnte und lauschen, so wie damals in der Schule hat.
Danke für die vielen Infos & natürlich schließe ich mich den anderen mit dem Lob für das Bild auch an, sogar obwohl Heilige gar nicht so meins sind ;-)

Ashmodai hat gesagt…

Lieben, lieben Dank, Dryade!
Geschichtslehrerin vielleicht nicht...aber studieren würde ich es gerne. ;) Am liebsten englische Geschichte des Mittelalters.
Ich sehe Ned hier weniger als Heiligen denn mehr als König und historische Persönlichkeit.
Ich könnte mir denken, dass er gar nichts von seinem Heiligendasein weiß. ;)